Seitenzahlen und Zählweise für wissenschaftliche Arbeiten

Einen zwingenden Grund, römische und arabische Zahlen gemeinsam als Seitenzahlen für ein Dokument zu verwenden, gibt es heute eigentlich nicht mehr. Die Textverarbeitung hat die einst notwendige Unterscheidung im Grunde obsolet gemacht. Man könnte einfach von vorne bis hinten in einer einzigen Zählweise durchnummerieren. Trotzdem sind römische und arabische Seitenzahlen üblich.

Der Grund, warum für die Verzeichnisse am Beginn der Arbeit römische Zahlen und ab dem Hauptteil arabische Ziffern benutzt werden, ist ein historischer und wird allein aus Tradition noch beibehalten. Der Bruch der Zählweise ermöglichte früher, nachträglich noch Danksagungen o. ä. vor dem Haupttext einzufügen oder das Inhaltsverzeichnis anzupassen, ohne die Seitenzahlen des Textes verschieben zu müssen. Heutzutage würden sich die Seitenzahlen sogar automatisch anpassen. Trotzdem bleibt man auch im Wissenschaftsbetrieb meist bei der klassischen Konvention. Diese lautet: Römische Zahlen für den Vorspann, ab der ersten Textseite arabische Zahlen bis zum Schluss.

I, II, III, IV, 1, 2, 3, 4, 5, … 142

Traditionell wurden im Buchdruck sogar oft kleine Buchstaben (i, ii, iii) für römische Zahlen verwendet, damit die Zahlen nicht wuchtiger wirkten als später die arabischen für den Haupttextteil. Heute hat sich jedoch die Großschreibung eingebürgert, kleine Buchstaben würden merkwürdig wirken, obwohl man sie theoretisch ebenfalls nutzen könnte. Für wissenschaftliche Arbeiten sind sie jedoch absolut unüblich.

Nun bestehen wissenschaftliche Arbeiten aber meist nicht nur aus Vorspann und Hauptteil, sondern haben auch einen nachgeordneten Teil, bestehend aus Literaturverzeichnis und ggf. Anhängen, der dem Haupttext folgt. Aus Unkenntnis der traditionellen Gründe für die zweigeteilte Paginierung (römisch/arabisch) besteht nun die Tendenz, den Nachspann ebenfalls mit römischen Zahlen zu nummerieren, um ihn vom Hauptteil abzugrenzen. Das wirkt aus heutiger Sicht logischer und ist ebenso zulässig (wenn Richtlinien oder Betreuer nicht auf der klassischen Paginierung bestehen), auch wenn es dafür erst recht keine technischen Gründe gibt.

Steht der Entschluss, nicht die klassische, sondern die pseudo-moderne Variante zu nutzen, stellt sich die Frage, wie es mit den römischen Zahlen weitergeht. Setzt man die am Anfang begonnene Zahlenreihe fort? Oder fängt man wieder bei römisch eins an? Oder nimmt man jetzt die Kleinbuchstaben?

I, II, III, 1, 2, 3, 4, 5, … 129, 130, IV, V, VI, …
I, II, III, 1, 2, 3, 4, 5, … 129, 130, I, II, III, …
I, II, III, 1, 2, 3, 4, 5, … 129, 130, i, ii, iii, …

Alles ist schon vorgekommen. Doch wirklich empfehlenswert ist in diesem Fall nur das erste der drei Beispiele. Denn die anderen Versionen würden dem Grundsatz der Eindeutigkeit gravierend zuwiderlaufen. Ebenso wie Zitate eindeutig belegt werden müssen, sollte jede Seite einer wissenschaftlichen Publikation nur ein einziges Mal im Dokument vorkommen. Römische und arabische Zahlen gelten dabei als unterschiedlich. Daher kommt nur die Fortsetzung der römischen Zahlen, so wie sie am Vorderteil geendet haben, in Betracht. Auf eine endende III im z. B. Abbildungsverzeichnis muss eine IV im Literaturverzeichnis folgen. Würde man im Literaturverzeichnis wieder vor vorne beginnen, gäbe es diese Zahlen ansonsten doppelt. Es wäre nicht mehr klar, ob bei „römisch vier“ das Inhalts- oder das Literaturverzeichnis gemeint ist. Das wäre nicht nur ein Verstoß gegen eherne Buchdruckerregeln, sondern auch eine Verwässerung des wissenschaftlichen Anspruchs auf Exaktheit.

Es kommen also zwei Zählweisen in Betracht. Die klassische, bei der nach dem Hauptteil nicht erneut mit römischen Zahlen begonnen, sondern die arabischen fortgeführt werden, und die modernere, bei der die römischen Zahlen des Anfangsteils nach dem Hauptteil wiederaufgenommen werden:

I, II, III, 1, 2, 3, 4, 5, … 130, 131, 132
I, II, III, 1, 2, 3, 4, 5, … 130, IV, V, VI

Verbreiteter und auch empfehlenswerter bleibt jedoch nach wie vor die klassische, zweifache Zählweise, mit arabischen Zahlen fortlaufend bis zum Schluss. Denn so ausgewogen und logischer das Fortführen der römischen Zahlen auch wirken mag, so stilistisch unschön ist es doch, wenn nach einer hohen arabischen Zahl plötzlich wieder eine kleine römische folgt, die eine Zahlenreihe fortsetzt, die ggf. Hunderte von Seiten zuvor aufgehört hatte.

Wie auch immer Sie sich entscheiden: Wichtig ist, dass nach dem Hauptteil keinesfalls wieder mit einer 1 (bzw. I) angefangen wird, neu beginnende römische Zahlen sind zu vermeiden. Der „Neustart“ der Zählweise sollte ausschließlich einmal beim Wechsel zwischen römischer und arabischer Zählweise erfolgen, in der Regel also zu Beginn des Hauptteils. Kleine römische Zahlen sind prinzipiell zulässig, bei wissenschaftlichen Arbeiten aber unüblich. Ebenso nicht üblich und als falsch gilt die Mischung von kleinen und großen Buchstaben für römische Zahlen.

¹ Letzte Änderung an diesem Text: 02.07.2017, 21:16.
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